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Zwar
hat sich die Biologie in der Antike nie zu einer selbständigen Wissenschaft
entwickelt, doch ist ein reiches zoologisches und botanisches Schrifttum
erhalten. Wir verdanken dieses zum überwiegenden Teil dem
breitgefächerten Interesse des Aristoteles und seiner Schüler, die
nicht nur großräumig das Wesen des ganzen Kosmos zu ergründen
suchten, sondern auch mit unermüdlicher Hingabe allen Details der Natur
nachgingen und in liebevoller Kleinarbeit Tiere, Pflanzen und sogar Steine
beobachteten, in denen sich das sinnvolle Walten der Natur ebenso zeigen konnte
wie in den Bahnen der Gestirne.
Das
zoologische Werk des Aristoteles steht einzig da; es hat in der Folgezeit keine
Fortsetzung gefunden, die sich auch nur entfernt mit dem wissenschaftlichen
Niveau aristotelischer Forschung vergleichen ließe. Zwar zeigt sich in
hellenistischer und römischer Zeit ein verbreitetes Interesse an der
Tierwelt – so sind von Ptolemaios II. große Tierschauen veranstaltet
worden, und bildliche Darstellungen besonders exotischer Tiere waren beliebt
–, doch war dieses Interesse weitgehend auf das Merkwürdige und
Außergewöhnliche ausgerichtet, mit dem sich auch leicht das
Fabulöse verband.
Der
eigentliche Begründer der wissenschaftlichen Pflanzenkunde ist der
bedeutendste Schüler des Aristoteles und spätere Schulleiter des
Peripatos, Theophrast von Eresos (370 – 285 v. Chr.), dessen botanische
Forschungen in zwei Werken überliefert sind, in der Historia
plantarum und in den Causae plantarum. Theoprast zeichnet sich jedoch
gegenüber Aristoteles aus durch eine stärkere Gewichtung der
Beobachtung und einer spürbaren Zurückhaltung gegenüber der
Theorie. Die Nachwirkungen der botanischen Studien des Theophrast in
späthellenistischer und römischer Zeit waren vielfältig,
wenngleich das Niveau hellenistischer Wissenschaft nie mehr erreicht
wurde.
Das
Interesse an der Pharmakologie wuchs mit der Entfaltung der medizinischen
Wissenschaft. Schon Theophrast hatte eine Zusammenstellung von Heilkräutern
angeführt. In späthellenistischer Zeit wurde die Heilmittelkunde
weiter ausgebaut. Das bedeutendste und umfangreichste pharmakologische Werk der
Antike schließlich ist die etwa 60 n. Chr. entstandene Materia
medica des Dioskurides, welche neben tierischen und mineralischen
Heilstoffen zum überwiegenden Teil pflanzliche Pharmaka
anführt.
Ein
Versuch der systematischen Gesamtbetrachtung der Mineralogie liegt ebenfalls in
der Schrift des Theophrast vor, dessen Verdienst es ist, mit den bescheidenen
Mitteln die ihm zur Verfügung standen, die mineralischen Stoffe geordnet zu
haben. Da noch keinerlei Einsicht in den chemischen Aufbau der Materie, ja noch
nicht einmal der Begriff des chemischen Elements vorhanden war, mußte sich
eine systematische Betrachtung der Mineralien – übrigens bis ins
18.Jh. hinein – mit der Feststellung sehr äußerlicher Merkmale
begnügen.
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