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Die Antiken Naturwissenschaften

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  • ad (4) Biologie (und Mineralogie) (AS: 75-92)
Zwar hat sich die Biologie in der Antike nie zu einer selbständigen Wissenschaft entwickelt, doch ist ein reiches zoologisches und botanisches Schrifttum erhalten. Wir verdanken dieses zum überwiegenden Teil dem breitgefächerten Interesse des Aristoteles und seiner Schüler, die nicht nur großräumig das Wesen des ganzen Kosmos zu ergründen suchten, sondern auch mit unermüdlicher Hingabe allen Details der Natur nachgingen und in liebevoller Kleinarbeit Tiere, Pflanzen und sogar Steine beobachteten, in denen sich das sinnvolle Walten der Natur ebenso zeigen konnte wie in den Bahnen der Gestirne.
Das zoologische Werk des Aristoteles steht einzig da; es hat in der Folgezeit keine Fortsetzung gefunden, die sich auch nur entfernt mit dem wissenschaftlichen Niveau aristotelischer Forschung vergleichen ließe. Zwar zeigt sich in hellenistischer und römischer Zeit ein verbreitetes Interesse an der Tierwelt – so sind von Ptolemaios II. große Tierschauen veranstaltet worden, und bildliche Darstellungen besonders exotischer Tiere waren beliebt –, doch war dieses Interesse weitgehend auf das Merkwürdige und Außergewöhnliche ausgerichtet, mit dem sich auch leicht das Fabulöse verband.
Der eigentliche Begründer der wissenschaftlichen Pflanzenkunde ist der bedeutendste Schüler des Aristoteles und spätere Schulleiter des Peripatos, Theophrast von Eresos (370 – 285 v. Chr.), dessen botanische Forschungen in zwei Werken überliefert sind, in der Historia plantarum und in den Causae plantarum. Theoprast zeichnet sich jedoch gegenüber Aristoteles aus durch eine stärkere Gewichtung der Beobachtung und einer spürbaren Zurückhaltung gegenüber der Theorie. Die Nachwirkungen der botanischen Studien des Theophrast in späthellenistischer und römischer Zeit waren vielfältig, wenngleich das Niveau hellenistischer Wissenschaft nie mehr erreicht wurde.
Das Interesse an der Pharmakologie wuchs mit der Entfaltung der medizinischen Wissenschaft. Schon Theophrast hatte eine Zusammenstellung von Heilkräutern angeführt. In späthellenistischer Zeit wurde die Heilmittelkunde weiter ausgebaut. Das bedeutendste und umfangreichste pharmakologische Werk der Antike schließlich ist die etwa 60 n. Chr. entstandene Materia medica des Dioskurides, welche neben tierischen und mineralischen Heilstoffen zum überwiegenden Teil pflanzliche Pharmaka anführt.
Ein Versuch der systematischen Gesamtbetrachtung der Mineralogie liegt ebenfalls in der Schrift des Theophrast vor, dessen Verdienst es ist, mit den bescheidenen Mitteln die ihm zur Verfügung standen, die mineralischen Stoffe geordnet zu haben. Da noch keinerlei Einsicht in den chemischen Aufbau der Materie, ja noch nicht einmal der Begriff des chemischen Elements vorhanden war, mußte sich eine systematische Betrachtung der Mineralien – übrigens bis ins 18.Jh. hinein – mit der Feststellung sehr äußerlicher Merkmale begnügen.

  
Kulturphilosophie 1: Verfall und Wiederaufbau der Kultur / Kultur und Ethik
Siehe auch:
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